
Energiewende in a nutshell am Standort Coesfeld/Hohes Venn sichtbar
Stadtwerke zeigen im Ortstermin, wie Erzeugung, Netze und Speicher zusammenwirken
Coesfeld – Windkraftanlagen, Photovoltaik und Biogas prägen vielerorts bereits das Landschaftsbild. Die Energiewende hat bei der erneuerbaren Stromerzeugung große Fortschritte gemacht. Die aktuelle Herausforderung besteht jedoch darin, die erzeugte Energie zuverlässig in das Stromsystem zu integrieren. Wie das gelingen kann, wird an einem Standort im Versorgungsgebiet der Stadtwerke Coesfeld besonders anschaulich.
Auf der Baustelle des neuen Umspannwerks Hohes Venn südlich des Industrieparks Nord Westfalen (IPNW) entsteht derzeit ein zentrales Bindeglied zwischen den verschiedenen Netzebenen. Mit Großtransformatoren, Schaltanlagen und einer 110-kV-Anbindung schafft das Umspannwerk die Voraussetzungen dafür, Strom aus erneuerbaren Quellen sicher aufzunehmen, zu verteilen und weiterzuleiten. Davon profitieren insbesondere die inzwischen mehr als 4.300 Photovoltaikanlagen im Stadtgebiet, deren Strom künftig zuverlässig in das Netz integriert werden kann. Bis Mitte 2027 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
Rund um den Standort werden zugleich die verschiedenen Bausteine der Energiewende sichtbar: In unmittelbarer Nähe befinden sich Freiflächen-Photovoltaikanlagen, Windenergieanlagen und eine Biogasanlage. Gegenüber der Baustelle plant der Emergy-Verbund zudem einen Großbatteriespeicher mit einer Kapazität von bis zu 63 Megawattstunden. Er soll künftig dazu beitragen, Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abzustimmen und zusätzliche Flexibilität in das Energiesystem zu bringen.
Damit vereint dieser Standort die wesentlichen Herausforderungen der Energiewende auf engem Raum: den Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung, den Ausbau der Stromnetze und den Aufbau von Speicherkapazitäten.
Dass die Energiewende zunehmend zu einer Infrastrukturaufgabe wird, zeigt sich auch in den Investitionen der Stadtwerke. Allein in das neue Umspannwerk fließen rund zehn Millionen Euro. Weitere rund zehn Millionen Euro werden in die neue 110-kV-Anbindung investiert. Hinzu kommen umfangreiche Investitionen in den Ausbau der bestehenden Netzinfrastruktur an anderen Standorten. Insgesamt hat sich das Investitionsvolumen der Stadtwerke in die Stromnetze im Jahr 2026 gegenüber 2024 vervierfacht.
„Die Energiewende entscheidet sich nicht allein beim Ausbau von Wind- und Solaranlagen“, sagt Ron Keßeler, Geschäftsführer der Emergy mit ihren Stadtwerken Coesfeld und Borken. „Mindestens genauso wichtig sind leistungsfähige Netze und künftig auch Speicher. Erst das Zusammenspiel dieser Elemente macht aus erneuerbarer Erzeugung eine sichere und verlässliche Energieversorgung. Genau das lässt sich an diesem Standort beispielhaft nachvollziehen.“
Der Vor-Ort-Termin zeigt deshalb weit mehr als eine Baustelle. Er macht sichtbar, worin die aktuelle Herausforderung der Energiewende besteht: im zeitlich und räumlich abgestimmten Ausbau von Erzeugung, Netzen und Speichern.
